
Steigende Zinsen, fallende Zinsen: Wie kommt es dazu?
Suresse Direkt Bank
18/03/2025
Die Entwicklung der Marktzinsen spielt in der Wirtschaft eine wichtige Rolle. Sie beeinflusst unser Konsum- und Investitionsverhalten. Was es mit der allgemeinen Zinsentwicklung auf sich hat und welche Folgen sie für die Zinsen auf Ihrem Sparkonto haben kann, erfahren Sie in diesem Artikel.
Der Marktzins beeinflusst das Verhalten von Verbrauchern und Unternehmen. Für Notenbanken wie die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) ist der Marktzins ein wichtiges Instrument, um die Wirtschaft in gesunde Bahnen zu lenken: mal als Bremse und mal als Beschleuniger. Sie lenken damit ihre Geldpolitik und sorgen so für wirtschaftliche Stabilität.
Wie funktioniert der Marktzins?
Der Marktzins ist eigentlich nichts anderes als der Preis des Geldes. Wenn Regierungen, Unternehmen und Verbraucher auf den Finanzmärkten Geld leihen, müssen sie dafür Zinsen zahlen. Das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage entscheidet über die Höhe des Zinssatzes. Je nach wirtschaftlichem Kontext spielt auch die Geldpolitik der Zentralbank bei der Festlegung der Marktzinsen eine entscheidende Rolle. Eine Zentralbank kann durch die Änderung ihrer Leitzinsen nämlich direkt auf die Marktzinsen Einfluss nehmen. Der Leitzins ist der Zinssatz, zu dem Geschäftsbanken sich von der Zentralbank Geld leihen.
Warum steuern Zentralbanken die Wirtschaft mithilfe von Zinssätzen?
Bei steigender Inflation besteht die Gefahr, dass es aufgrund allgemeiner Preissteigerungen zu einer Überhitzung der Wirtschaft kommt. Um dieses Risiko einzudämmen, kann eine Zentralbank den Leitzins erhöhen. Ein höherer Zins bremst die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen und damit auch die Kreditnachfrage. Wenn Kredite teurer werden, ist es für Verbraucher und Unternehmen weniger attraktiv, Kredite aufzunehmen und zu investieren. Die EZB strebt langfristig eine Inflationsrate von 2 Prozent an. Steigt die Inflationsrate schneller an, kann dieser Trend durch eine Erhöhung der Zinssätze gebremst werden.
Umgekehrt können Zentralbanken während einer wirtschaftlichen Rezession oder Krisensituation den Zins senken, um die Wirtschaft anzukurbeln. Das geschah beispielsweise während der COVID-19-Pandemie. Die Begründung dafür ist, dass Verbraucher mehr konsumieren und Unternehmen mehr investieren, wenn die Kreditaufnahme günstig ist. Dadurch wird die Nachfrageseite der Wirtschaft stimuliert, was zur wirtschaftlichen Erholung beiträgt.
Welchen Einfluss hat der Marktzins auf die Börse?
Der Marktzins ist ein mächtiges Instrument zur Beeinflussung des Börsenhandels. Ein niedriger Zins macht Schuldverschreibungen und Sparkonten weniger attraktiv, da sie dem Sparer weniger Zinsen einbringen. Dies motiviert Sparer, nach höheren Renditemöglichkeiten zu suchen und möglicherweise in Aktien zu investieren. Wenn die Nachfrage nach Aktien steigt, steigen auch die Aktienkurse. Ein niedriger Zinssatz kann daher dem Aktienhandel Auftrieb verleihen. Dies war beispielsweise nach der Finanzkrise 2008 der Fall, als die Zentralbanken weltweit die Zinsen senkten, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln.
Umgekehrt wirkt eine Zinserhöhung auf den Aktienhandel dämpfend. Steigende Zinsen machen Schuldverschreibungen und Sparkonten attraktiver, da sie höhere Renditen bieten. Dies kann dazu führen, dass Anleger Aktien verkaufen und sich wieder für liquidere Lösungen wie Sparkonten entscheiden. Dies kann zu fallenden Aktienkursen führen, da das Angebot an Aktien größer wird als die vorhandene Nachfrage. Dies war der Fall, als die EZB 2022 die Leitzinssätze zur Bekämpfung der hohen Inflationsrate anhob. Die Zentralbanken steuern die Wirtschaft also kontinuierlich über den Leitzins: Sie bieten in schwierigen Zeiten Unterstützung bzw. bremsen die Wirtschaft, wenn das Risiko einer Inflation bzw. Überhitzung zu groß wird.
Wie wirkt sich der Marktzins auf den Zinssatz Ihres Sparkontos aus?
Der Marktzins hat einen direkten Einfluss auf die Zinsen, die Banken für Sparkonten anbieten. Die Banken orientieren sich bei den angebotenen Sparzinsen nämlich am Marktzins. Bei hohen Marktzinsen können Banken höhere Sparzinsen anbieten. Sie erhalten dann nämlich selbst auch höhere Zinsen für die von ihnen vergebenen Kredite. Bei einem niedrigen Marktzins sinkt auch der Sparzins, da die Bank für die von ihr vergebenen Kredite weniger Zinsen erhält. Darüber hinaus wird es dann für eine Bank günstiger und damit interessanter, sich Geld von der Zentralbank zu leihen, als Ersparnisse von Verbrauchern zu erhalten.
Werden die Zinsen steigen oder fallen?
Um der zunehmenden Inflation entgegenzuwirken, haben die Zentralbanken in Europa und den USA 2022 die Zinsen erhöht. Sie taten dies, um Konsum und Investitionen einzudämmen und so die Inflation zu drosseln. Diese Herangehensweise hat funktioniert. Aus diesem Grund hat die EZB anschließend begonnen, die Leitzinsen zu senken. Seit Sommer 2024 hat die EZB bereits fünf Zinssenkungen vorgenommen. Ob es dabei bleibt, ist ungewiss. Aufgrund der großen geopolitischen Unsicherheit, internationaler Spannungen und des protektionistischen Kurses, den immer mehr Staaten einschlagen, sind Vorhersagen über die Entwicklung der europäischen Zinssätze schwierig. Die EZB hat bereits eine weitere, schrittweise Zinssenkung angedeutet, ohne jedoch den genauen Zeitpunkt zu nennen.
Experten sind sich weitgehend einig bezüglich ihrer Einschätzung, dass der Zinsdruck anhalten wird. „Wenn die Inflationsrate weiter sinkt und die Wirtschaft in der Eurozone schwächelt, wird die EZB ihre Politik der Zinssenkungen fortsetzen“, heißt es. Darüber hinaus spielt die Diskussion um Zölle und mögliche Handelskonflikte mit den USA eine Rolle. Dies könnte die Wirtschaft schwächen – nicht nur in Europa, sondern weltweit. Niedrigere Zinsen müssen dann helfen.
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